Was bietet SAP für Qualitätsmanagement und Auswertungen?

SAP stellt mit der Komponente SAP QM (Qualitätsmanagement) ein integriertes Modul der SAP-ERP-Software bereit, das Qualitätsprüfungen und die zugehörigen Auswertungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette abbildet – vom Wareneingang über die Fertigung bis zur Auslieferung an den Kunden. SAP QM ist dabei eng mit den Modulen Materialwirtschaft (MM), Vertrieb (SD) und Produktionsplanung (PP) verzahnt und nutzt für Auswertungen im Wesentlichen Prüflosdaten, Qualitätsmeldungen und die darauf aufsetzende Berichterstattung im QM-Informationssystem.

Die konkreten Auswertungsmöglichkeiten unterscheiden sich je nach angebundenem Modul: In MM stehen vor allem Wareneingangsprüfungen und Lieferantenbewertungen im Vordergrund, in SD Warenausgangsprüfungen und Reklamationsauswertungen, in PP Prüfergebnis-Trends, Prozessfähigkeitskennzahlen sowie Ausschuss- und Nacharbeitsquoten.

Welche Prozessschritte deckt SAP QM entlang der Wertschöpfungskette ab?

SAP QM begleitet den Qualitätsprozess von der Materialannahme bis zur Kundenreklamation. Zentrales Steuerungsobjekt ist der Prüflos: Er wird für Wareneingangsprüfungen, Fertigungsprüfungen und Warenausgangsprüfungen automatisch oder manuell erzeugt, enthält den zugehörigen Prüfplan mit Prüfmerkmalen und dient als Grundlage für die spätere Auswertung. Abweichungen und Kundenrückmeldungen werden über Qualitätsmeldungen erfasst, die Ursachenanalyse, Maßnahmen und deren Nachverfolgung strukturieren. Ergänzend verwaltet SAP QM Qualitätszertifikate, die auf Basis der erfassten Prüfergebnisse automatisiert erstellt werden können.

Wie unterstützt SAP QM die Qualitätsüberwachung auf dem Shopfloor?

Auf dem Shopfloor stellt SAP QM zwei Kernfunktionen bereit: die Werkerführung und das Regelkartencontrolling. Die Werkerführung gibt Prüfpläne, Prüfanweisungen und Checklisten direkt am Arbeitsplatz vor und führt Beschäftigte durch die vorgesehenen Prüfschritte. Das Regelkartencontrolling wertet die dabei erfassten Merkmalswerte statistisch aus und macht Prozessabweichungen sichtbar, bevor sie zu Ausschuss führen. Beide Funktionen setzen voraus, dass Prüfpläne und Prüfmerkmale im Vorfeld sauber gepflegt sind; die Datenqualität der Auswertung hängt unmittelbar von der Qualität dieser Stammdaten ab.

Was ist Regelkartencontrolling in SAP QM?

Regelkartencontrolling ist die SAP-QM-Umsetzung der Statistischen Prozesslenkung (Statistical Process Control, SPC). Erfasste Prüfwerte werden in Regelkarten mit Eingriffs- und Warngrenzen dargestellt, sodass Trends und Lageverschiebungen erkennbar werden, bevor die Toleranzgrenzen des Merkmals überschritten sind. Reagiert werden kann darauf nur, wenn zu den Regelkarten Reaktionspläne hinterlegt sind, die festlegen, welche Schritte bei welcher Art von Abweichung einzuleiten sind. Ohne definierte Reaktionslogik bleibt Regelkartencontrolling eine reine Visualisierung ohne steuernde Wirkung.

Welche Auswertungen bietet SAP QM im Modul Materialwirtschaft (MM)?

Im Zusammenspiel mit MM liefert SAP QM Auswertungen zur Wareneingangsprüfung, darunter Prüflosquoten, Durchlaufzeiten und die Verteilung von Prüfergebnissen je Material und Lieferant. Darauf aufbauend werden Mängel- und Retourenraten je Lieferant ausgewertet, die als Grundlage für die Lieferantenbewertung dienen. Die Aussagekraft dieser Kennzahlen hängt davon ab, wie vollständig und konsistent Wareneingangsprüfungen im jeweiligen Werk tatsächlich durchgeführt und dokumentiert werden.

Wie funktioniert die Lieferantenbewertung mit SAP QM?

SAP QM liefert für die Lieferantenbewertung die qualitätsbezogenen Teilkriterien: Mängelraten aus Wareneingangsprüfungen, Ergebnisse aus Reklamationsbearbeitungen sowie – sofern gepflegt – Bewertungen aus Audits. Diese Werte fließen in MM in eine Gesamtbewertung ein, die dort zusätzlich Kriterien wie Preis und Liefertreue berücksichtigt. SAP QM selbst bewertet also nur den Qualitätsanteil; das Gesamtranking eines Lieferanten entsteht erst im Zusammenspiel mit den übrigen MM-Bewertungskriterien.

Welche Auswertungen bietet SAP QM im Modul Vertrieb (SD)?

Im Vertrieb unterstützt SAP QM die Warenausgangsprüfung vor Auslieferung sowie die Verwaltung und automatisierte Erstellung von Qualitätszertifikaten für ausgelieferte Produkte. Kundenreklamationen werden über Qualitätsmeldungen erfasst und ausgewertet, etwa nach Reklamationsgrund, betroffenem Material oder Häufung bei bestimmten Kunden. Diese Auswertungen zeigen, wo Qualitätsprobleme beim Kunden sichtbar werden, ersetzen aber keine Ursachenanalyse im vorgelagerten Fertigungsprozess.

Welche Auswertungen bietet SAP QM im Modul Produktionsplanung (PP)?

In Verbindung mit PP wertet SAP QM Prüfergebnisse aus Fertigungsprüflosen aus, einschließlich Trendanalysen über mehrere Fertigungslose hinweg. Hinzu kommen Prozessfähigkeitsanalysen auf Basis des Cpk-Werts sowie Auswertungen von Ausschuss- und Nacharbeitsquoten je Produktionsauftrag und Material. Diese Kennzahlen helfen, wiederkehrende Schwachstellen in einzelnen Fertigungsschritten zu identifizieren, sofern Ausschuss- und Nacharbeitsgründe im System konsistent gepflegt werden.

Was ist eine Prozessfähigkeitsanalyse (Cpk-Wert) im Kontext von SAP QM?

Eine Prozessfähigkeitsanalyse bewertet anhand der Prozessfähigkeitsindizes Cp und Cpk, wie sicher ein Fertigungsprozess innerhalb festgelegter Spezifikationsgrenzen produziert. SAP QM berechnet diese Werte aus den im Prüfplan hinterlegten Spezifikationsgrenzen und den erfassten Prüfwerten; die Berechnungsmethodik selbst legt SAP nicht fest, sondern setzt sie auf Basis allgemein anerkannter statistischer Verfahren um, wie sie unter anderem in DIN ISO 22514-2 beschrieben sind. Ein häufig zitierter Orientierungswert aus der Automobilindustrie ist ein Cpk von mindestens 1,33 als Mindestanforderung; verbindlich ist dieser Wert nur, wenn er kundenseitig oder im eigenen Qualitätsmanagementsystem so festgelegt wurde. SAP QM liefert die Kennzahl, nicht die Entscheidung darüber, ob ein Prozess als fähig gilt.

Wie integriert SAP QM die Qualitätsdaten mit anderen SAP-Modulen?

SAP QM ist über gemeinsame Stammdaten – insbesondere Material, Prüfplan und Arbeitsplatz – strukturell mit MM, SD und PP verbunden, sodass Qualitätsdaten nicht isoliert, sondern im Kontext des jeweiligen Logistikprozesses entstehen. Für die modulübergreifende Berichterstattung steht das QM-Informationssystem zur Verfügung, das Kennzahlen aus mehreren Modulen zusammenführt. Diese Integration schafft eine gemeinsame Datenbasis; sie ersetzt jedoch nicht die fachliche Interpretation der Kennzahlen, die weiterhin durch qualifiziertes Personal erfolgen muss.

Wo liegen die funktionalen Grenzen der SAP-QM-Standardauswertungen?

Der SAP-QM-Standard deckt die grundlegende Auswertung von Prüflosdaten, Regelkarten und Prozessfähigkeit ab, stößt in der Praxis aber an mehrere Grenzen. Die Visualisierung von Regelkarten und Dashboards im SAP-Standard-GUI ist funktional, aber im Vergleich zu spezialisierter Reporting-Software eingeschränkt gestaltbar. Die direkte Anbindung von Messgeräten und Prüfmitteln an SAP QM ist im Standard nicht vorgesehen und erfordert zusätzliche Schnittstellen. Komplexere statistische Auswertungen, etwa mehrdimensionale Trendanalysen über Werksgrenzen hinweg, lassen sich im Standard nur mit zusätzlichem Konfigurationsaufwand abbilden. Diese Grenzen sind branchenüblich und kein SAP-spezifisches Defizit; sie ergeben sich aus dem Charakter von SAP QM als ERP-Kernkomponente, nicht als spezialisiertes CAQ-System.

Welche Rolle spielen CAQ-Subsysteme bei der Erweiterung von SAP-QM-Auswertungen?

CAQ-Subsysteme sind Zusatzsoftware, die über definierte Schnittstellen an SAP QM angebunden wird, um genau die im vorherigen Abschnitt beschriebenen Standardgrenzen zu adressieren: Messmittelanbindung, erweiterte Regelkartenvisualisierung, mobile Werkerführung oder zusätzliche Automatisierung in der Prüfdatenerfassung. Die Systemhoheit über Qualitätsdaten verbleibt dabei in der Regel bei SAP QM als führendem System; das Subsystem ergänzt die Auswertungstiefe, ersetzt aber nicht die Prüflos- und Meldungslogik von SAP QM.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu SAP QM und Auswertungen

Was ist SAP QM?

SAP QM ist die Qualitätsmanagement-Komponente der SAP-ERP-Software. Sie bildet Qualitätsprüfungen und deren Auswertung entlang der Wertschöpfungskette ab, von der Wareneingangsprüfung über die Fertigungsprüfung bis zur Warenausgangsprüfung.

Welche SAP-Module sind mit SAP QM verknüpft?

SAP QM ist über gemeinsame Stammdaten insbesondere mit Materialwirtschaft (MM), Vertrieb (SD) und Produktionsplanung (PP) verbunden. Aus dieser Verknüpfung ergeben sich modulspezifische Auswertungen wie Lieferantenbewertung, Reklamationsauswertung und Prozessfähigkeitsanalysen.

Was zeigt eine Regelkarte in SAP QM?

Eine Regelkarte in SAP QM zeigt erfasste Prüfwerte im zeitlichen Verlauf gegenüber definierten Eingriffs- und Warngrenzen. Sie macht Trends und Lageverschiebungen im Prozess sichtbar, bevor Toleranzgrenzen überschritten werden.

Wie wird der Cpk-Wert in SAP QM genutzt?

SAP QM berechnet den Cpk-Wert aus den im Prüfplan hinterlegten Spezifikationsgrenzen und den erfassten Prüfwerten nach anerkannten statistischen Verfahren. Ob ein berechneter Cpk-Wert als ausreichend gilt, legt SAP QM nicht selbst fest, sondern das jeweilige Qualitätsmanagementsystem oder die Kundenanforderung.

Kann SAP QM Lieferanten automatisch bewerten?

SAP QM liefert den qualitätsbezogenen Teil einer Lieferantenbewertung, etwa Mängelraten und Reklamationsergebnisse. Das vollständige Lieferantenranking entsteht erst in Materialwirtschaft (MM), wo diese Werte mit weiteren Kriterien wie Preis und Liefertreue zusammengeführt werden.

Welche Grenzen haben die Standardauswertungen von SAP QM?

Im SAP-Standard sind die Visualisierungsmöglichkeiten von Regelkarten eingeschränkt, eine direkte Messmittelanbindung ist nicht vorgesehen, und mehrdimensionale Trendanalysen über Werksgrenzen hinweg erfordern zusätzlichen Konfigurationsaufwand. Diese Lücken werden in der Praxis häufig über angebundene CAQ-Subsysteme geschlossen.

Normen und Standards

Für SAP QM als Softwareprodukt existiert keine eigene Norm; SAP QM ist als Werkzeug innerhalb des durch ISO 9001 vorgegebenen Rahmens einzuordnen. ISO 9001:2015 fordert unter anderem die Überwachung und Messung von Prozessen und Produkten sowie die Auswertung relevanter Daten zur Bewertung der Qualitätsmanagementsystem-Leistung; SAP QM kann diese Anforderung technisch unterstützen, erfüllt sie aber nicht automatisch – die Ausgestaltung der Prüf- und Auswertungslogik bleibt Aufgabe der Organisation.

Für die in SAP QM genutzten Prozessfähigkeitskennzahlen (Cp/Cpk) ist DIN ISO 22514-2 die aktuell gültige Berechnungsgrundlage; sie hat die frühere DIN ISO 21747 abgelöst. In der Automobilindustrie hat die Automotive Industry Action Group (AIAG) gemeinsam mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zusätzlich ein harmonisiertes AIAG-VDA-SPC-Handbuch veröffentlicht, das eine gemeinsame Methodik für Regelkarten und Prozessfähigkeitsbewertung über nordamerikanische und europäische Ansätze hinweg beschreibt. Im Automotive-Umfeld ergänzt zudem die IATF 16949 branchenspezifische Anforderungen an Prüf- und Freigabeprozesse, die SAP QM technisch abbilden kann, ohne dass sich daraus eine generelle Pflicht zur IATF-Zertifizierung außerhalb der Automobilindustrie ableiten lässt.

Weiterführende interne Inhalte


Redaktionelle Erstellung: Christian Sedlag, Quality Miners GmbH.
Stand: 06.08.2026.

Optimiertes Qualitäts-management in SAP

Whitepaper - Digitale Lösung (pdf)

whitepaper-sqm360

Webbasiertes CAQ-Subsystem für SAP® QM

Leistungsstarke Qualitätsmanagement-Funktionen

SQM360

sqm360-monitor

Erfahren Sie mehr dazu in unserm Blogbeitrag:

QM Auswertungen aus und mit SAP

Von der Shopfloor-Überwachung bis zur Integration in MM, SD und PP